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Wenn Alkoholkonsum zum Risiko wird

Alkohol ist ein Zellgift, das jedes Organ des Körpers angreifen kann. Deshalb gilt: Je weniger davon konsumiert wird, desto besser. Und es gilt auch der Rückschluss: Je mehr Alkohol getrunken wird, desto schädlicher ist es. Vor allem der übermäßige, gesundheits-schädigende Konsum ist problematisch. Was darunter zu verstehen ist und was nicht, erklären unter anderem Experten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf einem eigenen Webportal.

Die gute Nachricht: Der Alkoholkonsum geht seit Jahren zurück: So konsumierten Männer im Jahr 2000 noch durchschnittlich knapp 23 Gramm Reinalkohol pro Tag; Frauen circa zehn Gramm. Im Jahr 2015 lag dieser Wert bei Männern bei 16 Gramm und bei Frauen bei 8,5 Gramm täglich. Trotz dieses Rückgangs ist Deutschland immer noch ein Land, in dem viel Alkohol konsumiert wird, wie ein Vergleich zeigt: So lag der OECD-Durchschnitt im Jahr 2020 bei 8,9 Litern reinen Alkohols pro Jahr. Deutschland lag mit 10,8 Litern deutlich darüber.

Nach Angaben der Experten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Webportal www.kenn-dein-limit.de ist Alkohol ein Zellgift und sollte gemieden werden. Dennoch kann man von einem risikoarmen Konsum sprechen, wenn Frauen nicht mehr als ein Standardglas – das entspricht zehn bis zwölf Gramm Reinalkohol - und Männer nicht mehr als zwei Standardgläser Alkohol am Tag konsumieren. Zur Orientierung: Ein 0,3 Liter Glas Bier (fünf Prozent Alkoholgehalt) enthält bereits zwölf Gramm, 0,25 Liter Wein (zwölf Prozent Alkoholgehalt) sogar 24 Gramm reinen Alkohol.

Auswirkungen von zu hohem Alkoholkonsum

Allerdings zeigen Untersuchungen, dass rund ein Viertel der 18- bis 64-Jährigen deutlich mehr konsumiert als von Experten empfohlen. Sie haben laut einer Befragung innerhalb der letzten vier Wochen mindestens an einem Tag fünf oder mehr Gläser Alkohol in kurzer Zeit zu sich genommen, sich also in den Rausch getrunken. Dabei liegt der Anteil der Männer mit 33 Prozent rund doppelt so hoch wie der der Frauen (16 Prozent). Bei etwa 1,4 Millionen Menschen liegt ein Alkoholmissbrauch und bei rund 1,6 Millionen Menschen sogar eine Alkoholabhängigkeit vor.

Die gesundheitlichen Folgen sind dramatisch: So sterben jährlich hierzulande über 20.000 Menschen an den Folgen des Alkoholkonsums. Hinzu kommt, dass viele Krankheiten durch chronischen Alkoholkonsum entstehen. Dazu gehören beispielsweise Erkrankungen der Leber, Schädigungen des Gehirns, bestimmte Krebserkrankungen, Bluthochdruck, Persönlichkeits-Veränderungen, Übergewicht (Bierbauch) sowie Impotenz und Entzündungen (Bauchspeicheldrüse und Magenschleimhaut). In der Folge sinkt die Lebenserwartung für den Betroffenen deutlich.

Von Rauschtrinken spricht man, wenn bei einer Gelegenheit Frauen vier oder mehr und Männer fünf oder mehr alkoholische Getränke konsumieren. Das birgt ebenfalls diverse gesundheitliche Gefahren. So steigt beispielsweise akut das Risiko für Schlaganfälle und für Herzrhythmusstörungen. Zudem ist Alkohol ein Auslöser von Gewalt und Aggression. So standen mehr als ein Viertel aller Gewalttäter nach Polizeiangaben während ihrer Taten unter Alkoholeinfluss. Wer einen Rausch hat, riskiert umgekehrt aber auch, selbst leichter das Opfer von Gewalt oder eines Verbrechens zu werden.

Positive Entwicklungen bei jungen Menschen

Bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen gibt es eine positive Entwicklung, wie die Studie „Der Substanzkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland. Ergebnisse des Alkoholsurveys 2021 zu Alkohol, Rauchen, Cannabis und Trends“ zeigt. Diese wurde jüngst vom BZgA veröffentlicht.

Demnach trinken aktuell 8,7 Prozent der 12- bis 17-jährigen Jugendlichen regelmäßig – mindestens einmal wöchentlich – Alkohol. Im Jahr 2004 lag dieser Wert noch bei 21,2 Prozent. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich bei den jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren. Hier ist der Anteil jener, die regelmäßig Alkohol trinken, von 43,6 Prozent im Jahr 2004 auf aktuell 32,0 Prozent gesunken.

„Alkohol wurde zu lange als Gesundheitsrisiko verharmlost“, kommentiert in diesem Zusammenhang der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, Burkhard Blienert, und ergänzt: „Es kann nicht sein, dass immer noch so viele Kinder und Jugendliche wegen Rauschtrinkens im Krankenhaus landen.“

Missbrauch erkennen, Hilfe finden

Ist mein Umgang mit Alkohol gefährlich? Antwort auf diese Frage liefert unter anderem ein Onlinetest im Webportal www.kenn-dein-limit.de. Zehn Fragen und die ehrlichen Antworten hierauf helfen, das eigene Trinkverhalten zu bewerten.

Übrigens finden sich im gleichen Webauftritt auch ein Wissenstest zum Thema Alkohol, ein Motivationstest und ein Promillerechner. Mit Letztgenanntem lässt sich einfach ermitteln, wie viel Promille man nach einer bestimmten Menge Alkohol – also zum Beispiel nach zwei Gläsern Bier – im Blut hat.

Wer selbst mit Alkoholproblemen zu kämpfen hat oder sich diesbezüglich Sorgen um ein Familienmitglied, einen Freund oder Kollegen macht, der kann die Telefonberatung der BZgA (Telefonnummer 0221 892031) oder auch deren Onlineberatung nutzen. Gute Ansprechpartner sind auch die Hausärzte oder die Suchtberatungsstellen.