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Die Risikokompetenz der Bürger sinkt

Bei den Bürgern in Deutschland steigt die Angst, sowohl im Alltag als auch im Alter nicht genügend Geld zur Verfügung zu haben. Auch die Sorge vor Krieg und Naturkatastrophen hat deutlich zugenommen. Vor einigen Risiken fürchten sich jedoch viele immer weniger, obwohl sie dazu führen könnten, dass die demokratische und freiheitliche Grundordnung gestört und ein selbstbestimmtes Leben in vielen Bereichen nicht mehr möglich ist.

„Die Risikokompetenz in Deutschland nimmt nicht zu, sondern sinkt leicht.“ Dieses Fazit zieht Professor Dr. Gerd Gigerenzer, Direktor des Harding-Zentrums für Risikokompetenz der Universität Potsdam, anlässlich der Veröffentlichung einer Studie, die zum dritten Mal das Risikobewusstsein der Bürger analysierte. Studienauftraggeber war ein Versicherer.

Auch die 3. Auflage der Analyse zeige, dass die Eigenverantwortung der Bürger stark zu wünschen übriglasse.

Jüngere favorisieren den Überwachungsstaat

Der Wissenschaftler fand es besonders bedrohlich, dass vor allem jüngere Menschen regelrecht „schlafwandelnd“ einen Überwachungsstaat favorisieren würden. So können sich insgesamt ein Fünftel der Befragten vorstellen, dass ihr Verhalten kontrolliert und bewertet wird. Unter den 18- bis 30-Jährigen liegt der Wert sogar bei 28 Prozent.

„Die Menschen wollen dann positive Punkte für Mülltrennung und weniger Flüge“, so Gigerenzer, der die Umfrage wissenschaftlich begleitete. Die Gefahr, dass bei Überwachung der Staat zunehmend Macht über seine Bürger gewinnt, würde weitgehend ausgeblendet. Ein solches „Sozialkredit-System“ gibt es laut Gigerenzer schon heute in China.

„Nur noch 64 Prozent aller Bundesbürger lehnen ein staatliches Sozialkredit-System ganz ausdrücklich ab“, erläuterte der Wissenschaftler. Vor drei Jahren lag diese Zahl noch bei 68 Prozent.

Die Sorge um den Schutz der Daten geht zurück

Auch der Anteil derjenigen, die den Verlust des Schutzes ihrer Daten als ein großes Problem ansehen, weil diese immer mehr Unternehmen und staatlichen Stellen zugänglich sind, geht kontinuierlich zurück. 2018 waren es noch 51 Prozent, nun sind es lediglich noch 44 Prozent.

An erster Stelle der größten Risiken für die Sicherheit stehen für die Einwohner hierzulande weiterhin Terrorismus und Krieg (63 Prozent). Gegenüber 2019 (55 Prozent) lässt sich ein Anstieg um acht Prozentpunkte verzeichnen. Grund könnte der Krieg in der Ukraine sein.

Da die Befragung von 3.200 Personen ab 18 Jahren durch das Forschungsinstitut Heute und Morgen zwischen März und April 2022 durchgeführt wurde, ergreift sie bereits die Reaktionen der Menschen auf dem am 24. Februar gestarteten Angriffskrieg Russlands.

Die Inflationsangst ist stark gestiegen

Wie die aktuelle Lage die Bürger beeinflusst, zeigt sich an der Inflationsangst. Sie ist stark gestiegen – von 24 Prozent in 2019 auf 46 Prozent in 2022. Am meisten sorgen sich hier jüngere Menschen mit sogar der Hälfte der 18- bis 30-Jährigen.

Demgegenüber wird die innere Sicherheit aktuell als hoch empfunden. „Der Ruf nach mehr Polizei und strengeren Gesetzen wird schwächer“, so die Studienautoren. In 2018 wollten noch 55 Prozent der Deutschen mehr Polizei, 2019 waren es 40 Prozent und 2022 sind es nur noch 30 Prozent.

Vergleichbar ist es bei strengeren Gesetzen: Diese waren 2019 noch für 37 Prozent sicherheitsrelevant, 2022 sind es nur noch 30 Prozent. Das Ergebnis könnte ebenfalls mit dem Ukrainekrieg zusammenhängen. Gigerenzer: „Bei einer Bedrohung von außen rückt man zusammen.“ Zudem sei die Zahl der Polizisten in Deutschland in den letzten Jahren tatsächlich erhöht worden.

Corona wird kaum noch als Bedrohung empfunden

Gleichzeitig kann man aus der Studie ein kurzes Risikogedächtnis diagnostizieren. So ist Covid-19 kein großes Angstthema in der Bevölkerung mehr. Die Bundesbürger ängstigen sich mit Abstand am häufigsten vor Krebserkrankungen (62 Prozent) sowie vor Demenz/Alzheimer (60 Prozent). Covid 19 erreicht nur einen Wert von elf Prozent.

Naturkatastrophen und Unwetter (50 Prozent) stellen für die Bundesbürger ebenfalls ein großes und zugleich wachsendes Risiko dar. Gegenüber den Vorjahren zeigt sich hier ein Anstieg des Bedrohungsgefühls um zehn Prozentpunkte.

Dennoch verzichten immer noch viele darauf, ihr Hab und Gut gegen solche Elementarschäden wie Überflutung durch Starkregen abzusichern. Denn sowohl in der Wohngebäude- als auch in der Hausratversicherung können auch solche Ereignisse teils gegen Prämienaufschlag mitversichert werden. Doch nur rund die Hälfe der Hausbesitzer hat seine Immobilie gegen derartige Risiken versichert.

Möglichkeiten, Ängste und Sorgen zu minimieren

Einige Sorgen, die einen beschäftigen, kann man selbst minimieren, indem man frühzeitig für eine passende Absicherung sorgt. So gibt es zwar keine Garantie, dass man beispielsweise nicht selbst schwer erkrankt oder dass man zum Pflegefall wird, allerdings lassen sich die finanziellen Folgen absichern.

Mit den jeweils passenden Versicherungspolicen können unter anderem krankheits- oder auch unfallbedingte Einkommenseinbußen, aber auch Mehrkosten für eine ambulante oder stationäre Pflege abgedeckt werden. Auch ein finanzieller Schutz vor Schäden am Hab und Gut durch Wetterextreme und andere Naturkatastrophen ist mit entsprechenden Versicherungspolicen möglich.

Ebenso gibt es von der Versicherungswirtschaft diverse Produkte, teils auch mit staatlicher Forderung, damit die Einkünfte im Rentenalter ausreichend hoch sind, um damit den Lebensstandard zu sichern. Auch die Inflation kann dabei berücksichtigt werden.

Ein Versicherungsexperte hilft auf Wunsch individuell passende Vorsorgelösungen zu finden, damit man zumindest in den Bereichen, in denen eine entsprechende Absicherung möglich ist, sorgenfrei leben kann.